- Auszug
Im Jahr 2024 erhielten weltweit schätzungsweise 2,4 Millionen Frauen die Diagnose Brustkrebs. Die Standardbehandlung umfasst eine Operation zur Entfernung des Brusttumors, eine Strahlentherapie zur Verringerung des Rezidivrisikos in der Brust und im umliegenden Gewebe sowie eine Chemotherapie. Bis zu 40 % der wegen Brustkrebs behandelten Frauen entwickeln infolge dieser chirurgischen Interventionen ein Lymphödem (geschwollene obere Extremität). Frauen, die wegen Brustkrebs behandelt wurden, berichten häufig, dass Ihnen die Möglichkeit des Auftretens von Lymphödemen als häufige Nebenwirkung herkömmlicher Krebsbehandlungen nicht bewusst war. Das medizinische Fachpersonal sei oft unzureichend informiert und biete keine Unterstützung im Umgang mit dieser Erkrankung, die mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist. Hinzu kommt, dass die herkömmliche Behandlung von Lymphödemen bei den meisten Patientinnen in der Regel erfolglos bleibt. Gibt es hier einen alternativen Ansatz?
Inhalt
Die Herausforderungen bei der Behandlung von Lymphödemen
Ein Lymphödem in Zusammenhang mit Brustkrebs entsteht aufgrund einer durch die Standardbehandlung verursachten Obstruktion oder durch eine Unterbrechung des lymphatischen Systems, das vom Lymphknoten in der Achselhöhle zur Hand und zurück verläuft. Persönliche Faktoren wie Übergewicht oder ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) sowie Infektionen oder Traumata können das Risiko für ein Lymphödem erhöhen. Die Behandlung von Lymphödemen bedeutet für Patientinnen und das medizinische Fachpersonal nach wie vor eine große Herausforderung. Regelmäßige Routineuntersuchungen zur Behandlung des Lymphödems, langfristige Physiotherapie, die Anwendung von Hilfsmitteln (Kompressionskleidung, Bandagen, spezielle Salben) sowie wiederkehrende Cellulitis, Infektionen und Entzündungen der Lymphgefäße bedeuten für die Patientinnen eine körperliche und emotionale Belastung. Brustkrebsüberlebende mit Lymphödem verbringen jährlich mehr Tage im Krankenhaus oder in Arztpraxen; außerdem fehlen sie häufiger am Arbeitsplatz, was sich negativ auf ihre berufliche Situation auswirken kann. [i]
Sind Masqueliers OPCs möglicherweise eine Lösung?
In den 1970er-Jahren, in den Anfängen der klinischen Forschung in Frankreich zur Untersuchung der Vorteile der von Prof. Jack Masquelier entwickelten OPCs, wurde deren Wirksamkeit insbesondere hinsichtlich der Kapillarfunktion nachgewiesen: Sie erhöhten die Kapillarresistenz und verringerten gleichzeitig die Hyperpermeabilität der Kapillaren. Es wurde aufgezeigt, dass diese Wirkung auf die Affinität der OPCs gegenüber den Faserproteinen Elastin und Kollagen zurückzuführen ist, aus denen die Struktur der Kapillaren besteht. OPCs wurden sofort zum Mittel der Wahl in der phlebologischen und vaskulären Praxis. Im Laufe der Zeit führte die zunehmende Beliebtheit von OPCs im Bereich der Gefäßgesundheit zu der Annahme, dass dieser Pflanzenextrakt möglicherweise zur Unterstützung des Lymphsystems beiträgt. So kam es, dass ein Forschungsteam des Centre Huguenin im Pariser Vorort Saint-Cloud unter der Leitung des Facharztes Dr. Alain Pecking beschloss, zu untersuchen, ob OPCs das Lymphsystem stimulieren können. Das Ziel war, ihre Wirksamkeit bei der medizinischen Behandlung von Lymphödemen zu bewerten.
Studiendesign und das Studienprotokoll
Im Jahr 1989 beschrieben Dr. Pecking und seine Kollegen in der französischen medizinischen Fachzeitschrift Arterien und Venen („Artères et veines“) ihre Studie in einem Artikel mit dem Titel Oligomere Proanthocyanidine: eine medizinische Alternative bei der Behandlung von Lymphödemen („Oligomères procyanidoliques: une alternative medicale dans le traitement du lymphoedème“). Insgesamt wurden 63 Frauen mit einem einseitigen Lymphödem im Arm nach radiochirurgischer Behandlung wegen Brustkrebs in eine placebokontrollierte klinische Studie aufgenommen. Jede Patientin erhielt als Monotherapie entweder 300 mg OPCs/täglich oder die entsprechende Menge als Placebo-Tabletten. Um in die Studie aufgenommen zu werden, mussten die Patientinnen ein Ödem an den Gliedmaßen aufweisen, das mit einem Schweregefühl und mit Schmerzen aufgrund eines Spannungsgefühls auf der Haut einherging. Der Umfang des betroffenen Arms musste mindestens 2 cm größer sein als der des anderen Arms. Das Ödem musste mindestens seit 18 Monaten bestehen. Patientinnen, die zuvor eine Behandlung zur Verringerung von Ödemen (angepasste Physiotherapie, Kompressionstherapie) oder eine Behandlung mit venentonisierenden Medikamenten erhalten hatten, waren aus der Studie ausgeschlossen.
Die Kriterien
Vor Beginn der Behandlung sowie 1, 3 und 6 Monate nach den Anfang der Studie wurde eine umfassende klinische Untersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung basierte auf der Ermittlung des entsprechenden klinischen Scores, der fünf Kriterien umfasste: Unterschiede beim Umfang, Spannungsgefühl, Beweglichkeit, Schmerzen und Parästhesien (Hautempfindungen, die sich wie Taubheit, Kribbeln, Stechen, Kältegefühl oder Brennen anfühlen können). Darüber hinaus wurde der Gesamtumfang des Arms computergestützt anhand von schrittweisen Umfangsmessungen in Abständen von jeweils 5 cm ermittelt. Diese Untersuchungen wurden bei jedem Termin durchgeführt, während zu Beginn und am Ende der Behandlung ein Test zur Überprüfung des funktionellen Lymphflusses durchgeführt wurde. [ii]
Klinische Wirksamkeit
Es zeigte sich, dass die positive Veränderung des Gesamtscores für funktionelle Störungen, der die fünf Kriterien (Schmerzen, Spannungsgefühl, Beweglichkeit, Parästhesien und Differenz im Umfang) zusammenfasst, in der OPCs-Gruppe signifikant größer war. Dieser Unterschied war in der OPCs-Gruppe bereits ab dem ersten Monat deutlich messbar und nahm mit fortschreitender Behandlungsdauer zu. Bei vier von fünf Parametern zeigte sich eine signifikante Veränderung im Vergleich zu den in der Placebo-Gruppe beobachteten Werten.
– Spannungsgefühl: Vor Behandlungsbeginn war das Spannungsgefühl in beiden Therapiegruppen hoch. Die Verbesserung war in der OPCs-Gruppe ab dem 3. Monat deutlich erkennbar und nahm bis zum 6. Monat weiter zu.
– Beweglichkeit: Dieser Wert war zu Beginn der Studie in beiden Gruppen ebenfalls erhöht. In der OPCs-Gruppe verbesserten sich die Beschwerden bei 62 % der Patientinnen, verglichen mit 15 % in der Placebo-Gruppe, wobei bereits im ersten Monat ein signifikanter Unterschied festzustellen war, der sich bis zum sechsten Monat weiter verstärkte.
– Schmerzen: Diese verbreiteten Beschwerden, die bei 76 % der Patientinnen auftraten, verschwanden bei 44 % der Studienteilnehmerinnen, die OPCs erhielten, signifikant häufiger als bei den 24 % der Studienteilnehmerinnen in der Placebo-Gruppe.
– Parästhesien: Weniger Patientinnen berichteten von Parästhesien bei Baseline. Eine genauere Analyse ergab jedoch eine signifikante Verringerung dieses Symptoms in der OPCs-Gruppe.
– Umfang: Beim Armumfang zeigte sich zwischen dem gesunden und dem betroffenen Arm während der Studie keine signifikante Veränderung. Dieser Parameter blieb in dem verwendeten Rastersystem stabil, wobei die Differenz im Umfang zwischen der gesunden und der betroffenen Seiten weniger als 2 cm betrug.
– Entwicklung des Gesamtumfangs des Arms: Während der Studie schwankte der Umfang des betroffenen Arms zwischen der Aufnahme in die Studie und der Abschlussuntersuchung; in der Placebo-Gruppe nahm der Umfang zu, wohingegen er in der OPCs-Gruppe abnahm. Dieser Unterschied war zwar gering, aber statistisch signifikant zugunsten der OPCs von Masquelier.
Beim Lymphfluss ergaben die Tests in der OPCs-Gruppe eine Verbesserung der Durchblutungsgeschwindigkeit. Dieses Ergebnis bestätigte die Ergebnisse einer früheren Studie, in der die Wirkung von Masqueliers OPCs auf den Lymphfluss bei einer Gruppe gesunder Probanden gemessen wurde.
Konsistente Ergebnisse in schweren Fällen
Um die Wirkung von OPCs in Relation zur Schwere der initialen lymphatischen Pathologie zu bewerten, wurde eine weitere Analyse bei der Patientengruppe mit den schwersten Formen von Brustkrebs durchgeführt, wie beispielsweise Lymphknotenmetastasen oder einer rein lymphatisch bedingten Störung, die eine Mastektomie (Brustentfernung) mit Lymphknotenentfernung erforderlich machten. Die erzielten Ergebnisse waren mit denen der gesamten Studienpopulation vergleichbar, wobei sich die klinischen Befunde und die Lymphflussparameter in der OPCs-Gruppe signifikanter verbesserten. Dieses positive Ergebnis bei dieser stärker betroffenen Gruppe untermauert einmal mehr die Wirksamkeit von Masqueliers OPCs bei der Behandlung von Lymphödemen.
Kommentare und Schlussfolgerung
Eine medizinische Behandlung ohne begleitende Physiotherapie entspricht bei Lymphödemen nicht der gängigen Praxis. Dennoch entschied sich das Team um Pecking bei umfassend aufgeklärten Patienten mit einem Lymphödem geringen Ausmaßes für eine ausschließliche medikamentöse Behandlung (Monotherapie), um die tatsächliche Wirkung von OPCs auf Lymphödeme genau zu bewerten. Sie stellten fest, dass es bei nicht weniger als 85 % der Patientinnen bereits innerhalb der ersten vier Behandlungswochen zu einer Besserung der Erkrankung kam, die mit einer deutlichen Verringerung der Symptome sowie mit einer Schmerzlinderung verbunden war. Diese Verbesserung der subjektiven Symptome war zum 6‑Monats‑Follow‑up bei 78 % der Patientinnen, die OPCs eingenommen hatten, dauerhaft erhalten, verglichen mit nur 21 % in der Placebogruppe. Hinsichtlich der Wirkung des Placebos handelte es sich um eine passagere Verbesserung, was vermuten lässt, dass die Wirkung im Laufe der Zeit abnimmt und schließlich verschwindet. Dieser Placebo-Effekt tritt häufig in Studien zur Untersuchung von veno- oder lymphotropen Arzneimitteln auf und wurde sogar bei gesunden Probanden gezeigt. Angesichts der positiven Wirkungen, die in dieser klinischen Studie in der OPCs-Gruppe beobachtet wurden, empfahlen Dr. Pecking und seine Kollegen, diese medizinische Behandlung des Lymphödems mindestens 6 Monate lang anzuwenden, damit sie deutlich spürbar ist und eine dauerhafte Wirkung entfaltet.
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[I] Breast cancer-related lymphedema: Symptoms, diagnosis, risk reduction, and management; Mei R Fu; World Journal Clinical Oncology; 2014 Aug 10,
[ii]Oligomeres procyanidoliques: une alternative medicale dans le traitement du lymphoedème; A Pecking, JP Dcsprez-Curely. G Megret, M Delaby; Artères et veines, 8, 302-307, 1989.