- Auszug
Die Tage in der nördlichen Hemisphäre beginnen kürzer zu werden, und schon fühlen manche Leute, wie der sogenannte „Winterblues“ näher rückt. Gemeint sind Phasen mit Stimmungsschwankungen, Depressionen oder einem Gefühl von innerer „Leere“ und Energiemangel. In der Medizin wird diese Erkrankung als „saisonal-affektive Störung“ oder „SAD“ bezeichnet. Wo liegen die Ursachen von SAD? Einmal abgesehen von der Tatsache, dass bei Sonnenschein die meisten von uns besser gestimmt sind als an dunklen Tagen, führen kürzere oder fehlende Phasen der Exposition gegenüber dem Sonnenlicht dazu, dass die Haut nicht der Energie ausgesetzt ist, die sie zur Bildung von Vitamin D benötigt. In Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Vitamin D und der Stimmung beim Menschen aufgezeigt. Die tägliche Ergänzung von Vitamin D in der Ernährung kann die Symptome einer Depression lindern, insbesondere wenn sie mit einer Lichttherapie kombiniert wird. [i] In diesem Zusammenhang wird jedoch häufig übersehen, dass der „Winterblues“ nicht nur jahreszeitenbedingt ist. Diese Stimmungen sind auch „arbeitsbezogen“, wenn es beispielsweise um Beschäftigte in der Nachtschicht und medizinisches Fachpersonal im OP-Bereich geht, die den größten Teil des Tages unter Kunstlicht verbringen. Eine vor einigen Jahren in China durchgeführte Studie gibt Aufschluss über den Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber dem Sonnenlicht und der psychischen Gesundheit.
Medizinisches Fachpersonal im OP-Bereich
Mit dem Ziel, herauszufinden, ob Sonnenlicht einen Einfluss auf die psychische Gesundheit hat, verglich eine Gruppe von Forschenden an der Shandong University in Jinan (China) den psychischen Gesundheitszustand der Allgemeinbevölkerung (in China) mit dem einer Gruppe von medizinischem Fachpersonal im OP-Bereich, bei der lediglich eine eingeschränkte Exposition gegenüber dem Sonnenlicht bestand, da – wie Sie vielleicht vermutet haben – Operationssäle fensterlos sind. Die oft langen Arbeitszeiten des medizinischen Fachpersonals im OP-Bereich entfallen überwiegend auf den Tag, sodass auch außerhalb der Arbeit seine Exposition gegenüber dem Sonnenlicht nur kurz ist. Fachpersonal im OP-Bereich ist auch deshalb perfekt für dieses Studienszenario geeignet, weil die Fachkräfte übliche soziale Interaktionen und Arbeitsmerkmale aufweisen. Dadurch sind sie repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung und mit ihr vergleichbar.
Sonnenlicht und psychische Gesundheit
Die Forschenden am University Centre for Health Management and Policy Research stellten fest, dass medizinisches Fachpersonal im OP-Bereich ein vergleichsweises hohes Maß an psychischer Belastung aufweist. Sie kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass regelmäßiger Schlaf, chronische Erkrankungen und die Dauer der Exposition gegenüber dem Sonnenlicht alles Faktoren sind, die mit der psychischen Gesundheit einhergehen. Chronische Erkrankungen sind mit einem höheren Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen verbunden. Menschen mit chronischen Erkrankungen leiden häufiger unter Depressionen und Ängsten als andere Menschen. Körperliche Schmerzen verstärken die psychische Belastung der Patienten; daher nehmen depressive Symptome mit der Diagnose einer chronischen Erkrankung zu. Von den 787 Studienteilnehmern wiesen 314 (39,9 %) einen Wert auf, der auf einen schlechten psychischen Zustand und ein hohes Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen hindeutete. Der Mittelwert lag deutlich über dem der Allgemeinbevölkerung. In ihrer Studie konzentrierte sich die Gruppe jedoch speziell auf den Einfluss von Sonnenlicht auf die psychische Gesundheit. [ii]
Vitamin D ist die Lösung
Auf der Grundlage von Interviews mit medizinischem Fachpersonal im OP-Bereich ermittelten die Forschenden, dass die Dauer der Exposition gegenüber dem Sonnenlicht positiv mit der psychischen Gesundheit korreliert. Mit zunehmender Expositionsdauer gegenüber dem Sonnenlicht verbesserte sich der psychische Gesundheitszustand der Befragten signifikant. Sie wiesen darauf hin, dass es aus physiologischer Sicht mehrere Erklärungen gibt, wobei die Rolle von Vitamin D an erster Stelle steht. Zahlreiche wissenschaftliche Studien, Analysen und klinische Studien haben gezeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel mit einem erhöhten Risiko für Depressionen verbunden ist und dass eine Vitamin-D-Supplementierung bei der Behandlung von Patienten mit Depressionen von Nutzen sein kann. Eine Exposition gegenüber dem Sonnenlicht war bisher für die meisten Menschen die wichtigste Quelle für Vitamin D und wird es auch weiterhin bleiben. Somit kann sich Sonnenlicht durch die Beeinflussung der Vitamin-D-Spiegel im Körper durchaus auf die psychische Gesundheit auswirken.
Der „Vitamin-D-Winter“
Im Kontext der saisonal-affektiven Störung und der relativen Veränderungen der Tageslichtdauer im Laufe des Jahres ist zu beachten, dass sich Jinan auf einem Breitengrad von 36° N befindet, was in etwa den Breitengraden von Südspanien und Washington, D.C. entspricht. Auf diesem Breitengrad fallen die saisonalen Schwankungen der solaren UV-Strahlung und der Tageslänge relativ moderat aus, sind aber durchaus messbar. Obwohl die Studie in Shandong in den Monaten Dezember und Januar durchgeführt wurde, war die Sonneneinstrahlung offenbar stark genug, um die Vitamin-D-Synthese zu beeinflussen. Mit anderen Worten: In Jinan gibt es keinen „Vitamin-D-Winter“. Diesen „Winter“ gibt es jedoch für alle Menschen, die – wie das medizinische Fachpersonal im OP-Bereich – den größten Teil des Tages unter künstlichen Lichtverhältnissen verbringen, ganz gleich, wo sie sich auf der Landkarte befinden.
SAD und „berufsbezogene affektive Störungen“
Den Forschenden war bewusst, dass die psychische Gesundheit durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. Ob eine erhöhte Exposition gegenüber Sonnenlicht zu einer besseren psychischen Gesundheit führt, ob das Bedürfnis nach mehr Sonnenlicht durch eine gute psychische Gesundheit geweckt wird oder ob beides zusammenwirkt, lässt sich nur schwer nachweisen. Trotz dieser Einschränkungen stimmt diese Studie mit der in den meisten früheren Studien vertretenen Auffassung überein, dass sich der psychische Gesundheitszustand mit zunehmender Expositionsdauer gegenüber dem Sonnenlicht verbessert. Was hat das mit Ihnen zu tun? Obwohl bei medizinischem Fachpersonal im OP-Bereich eine außerordentlich geringe Exposition gegenüber Sonnenlicht besteht, ist es doch eine Tatsache, dass diese Exposition der meisten Menschen, die in „westlichen“ Umgebungen ohne Tageslicht leben und arbeiten, ebenfalls viel zu gering ist. Abgesehen davon zeigt ein Vergleich der Werte zur psychischen Gesundheit zwischen medizinischem Fachpersonal im OP-Bereich und der „Allgemeinbevölkerung“ zwar die Bedeutung der Exposition gegenüber dem Sonnenlicht, belegt jedoch nicht, dass diese Exposition bei der Allgemeinbevölkerung ausreichend ist. Das Leben in höheren Breitengraden führt zu saisonal-affektiven Störungen, ähnlich wie der tägliche Aufenthalt unter künstlichen Lichtverhältnissen zu berufsbezogenen affektiven Störungen führt. Stellen Sie sich vor, welche Auswirkungen eine Kombination aus SAD und solche berufsbezogenen affektiven Störungen auf Ihre psychische und körperliche Gesundheit hat.
Die Vor- und Nachteile des Sonnenlichts gegeneinander abwägen
Wer versucht, fehlende solare UVB-Strahlung durch einen „Winterurlaub in der Sonne“ oder stundenlange Besuche im Solarium auszugleichen, sollte sich dennoch bewusst sein, dass eine übermäßige Exposition gegenüber dem Sonnenlicht die Zeiten zu geringer Sonneneinstrahlung nicht aufwiegen kann. Diese Bemühungen bringen mehr Schaden als Nutzen. Maßhalten ist das Allerwichtigste. Die Exposition gegenüber Sonnenlicht sollte zur Produktion von Vitamin D führen, aber UV-Filter (Sonnenschutzmittel) verhindern das und bewirken damit genau das Gegenteil. Der sicherste Weg, die positiven und negativen Auswirkungen der Exposition gegenüber Sonnenlicht auszugleichen, ist die tägliche Einnahme von Antioxidantien, um die strahlenbedingte Entstehung freier Radikale zu verhindern, die die Haut schädigen. In diesem Zusammenhang können OPCs, wie Dr. Jack Masquelier in einem Radikalfänger-Test an seinem eigenen Arm zeigte, als besonders hilfreich betrachtet werden. Zudem ist es, wie bereits in einem vorherigen Artikel berichtet, stets eine kluge Entscheidung, im Rahmen der eigenen Ernährung Vitamin D zu ergänzen, vorzugsweise in Dosierungen, die über den offiziellen Tagesbedarfswerten liegen. Das ist tatsächlich ein Zeichen für … psychische Gesundheit!
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[I] The Sunlight Solution; William F. Supple, jr., PhD; Skyhorse Publishing, Inc., Delaware; MAH Books, 2026.
[ii] Association Between Sunlight Exposure and Mental Health: Evidence from a Special Population Without Sunlight in Work; Jie Wang, Zhen Wei, Nan Yao, Caifeng Li, Long Sun. Shandong University, Jinan, People’s Republic of China; Risk Management and Healthcare Policy, 14 june 2023.